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	<title>Kommentare zu: Die Furcht ist der Gegner. Der einzige Gegner!</title>
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	<description>Aus dem Leben einer Bergedorfer Anwaltskanzlei</description>
	<lastBuildDate>Fri, 21 Dec 2012 11:46:25 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Von: Ralf Wenzel</title>
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		<dc:creator>Ralf Wenzel</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 16:25:06 +0000</pubDate>
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		<description>Moin moin,

mit Verlaub, da werden wohl ein paar Sachen vermengt, die nicht vermengt gehören. 


1. Prüfungsangst

Weiß ich aus eigener Erfahrung, ist ziemlich doof, gut gelernt zu haben und sich in der Prüfungssituation kaum mehr an seine Matrikelnummer zu erinnern. Die Angst kommt einfach daher, dass ein einziger Moment entscheidet, ob die Ausbildung, die man jahrelang gemacht hat, erfolgreich war oder nicht.

Ich persönlich halte überhaupt nichts von Prüfungen, weil sie nichts über die Praxistauglichkeit sagen. Eine bestandene Prüfung sagt mir: Der Mensch kann definitiv auswendig-lernen. Über die Qualitäten in seinem Beruf sagt das leider genau gar nichts.


2. Sonstige Ängste

Der Schluss von Prüfungsangst zu sonstigen Ängsten ist hier recht gewagt. Ich zum Beispiel habe Prüfungsangst, kann aber trotzdem locker einen Vortrag vor 30 Leuten halten, die kritisch nachfragen. Eine Prüfungsangst ist eine Angst vor einer Prüfung, die Angst in DEM entscheidenden Moment zu versagen, der über den Erfolg von jahrelanger (Lern)arbeit entscheidet. Das hat man so nur in Prüfungen - ich denke nicht, dass ein Anwalt aufgrund eines schlechten Vortrages seine Zulassung verliert.


3. Depressionen

Die haben mit den beiden anderen Themen nun gar nichts gemein. Ein Haufen Leute leidet unter Depressionen und den meisten merkt man es nicht an (zumal es die meisten Betroffenen gar nicht wissen). Ich kenne durchaus Unternehmer die sehr erfolgreich ihren Betrieb führen mit Angestellten, die ihr Einkommen regelmäßig bekommen -- solange sie ihre Medikamente haben. Fehlen die und kommt es zu einem emotionalen Schlag in die falsche Richtung, brechen die zusammen wie ein Kartenhaus. In diesem Falle ist man in gar keinem Beruf arbeitsfähig, egal ob als Pilot, Anwalt oder Herzchirurg. Oder man denke an diesen Bundesligatorwart, der einfach unter seinem Erfolg zerbrochen ist (bzw. an der Erwartungshaltung, die dieser Erfolg mit sich brachte). Kein Mensch in seinem Umfeld hat damit gerechnet, dass ein so erfolgreicher Mensch Depressionen haben kann.

Das befreit o. g. Anwalt natürlich nicht davon, für diesen Fall Vorsorge zu tragen und sich ein Backup zu besorgen. Aber ich denke weder Prüfungsangst noch sonstige Ängste und erst recht Depressionen sind alles keine Gründe, jemandem irgendeinen Beruf zu verwehren (abgesehen von Leistungssportlern vielleicht, die eine Prüfungssituation nach der anderen haben, die jedesmal über Wohl und Wehe der Zukunft entscheiden kann).

Außerdem ist es natürlich richtig: Wer das Spiel erfindet, darf die Regeln definieren, so ist auch das Urteil nicht zu beanstanden. Aber eben nur mit der Begründung, weil die Prüfungsangst des einen oder die Depressionen des anderen über die juristischen Qualitäten nichts aussagen. Beiden ist so nicht nachzuweisen, dass sie schlechte Juristen sind - vielleicht ist so der deutschen Rechtswissenschaft ein brilliantes Genie entgangen mit dem einzigen Problem: Er kann keine Prüfungen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Moin moin,</p>
<p>mit Verlaub, da werden wohl ein paar Sachen vermengt, die nicht vermengt gehören. </p>
<p>1. Prüfungsangst</p>
<p>Weiß ich aus eigener Erfahrung, ist ziemlich doof, gut gelernt zu haben und sich in der Prüfungssituation kaum mehr an seine Matrikelnummer zu erinnern. Die Angst kommt einfach daher, dass ein einziger Moment entscheidet, ob die Ausbildung, die man jahrelang gemacht hat, erfolgreich war oder nicht.</p>
<p>Ich persönlich halte überhaupt nichts von Prüfungen, weil sie nichts über die Praxistauglichkeit sagen. Eine bestandene Prüfung sagt mir: Der Mensch kann definitiv auswendig-lernen. Über die Qualitäten in seinem Beruf sagt das leider genau gar nichts.</p>
<p>2. Sonstige Ängste</p>
<p>Der Schluss von Prüfungsangst zu sonstigen Ängsten ist hier recht gewagt. Ich zum Beispiel habe Prüfungsangst, kann aber trotzdem locker einen Vortrag vor 30 Leuten halten, die kritisch nachfragen. Eine Prüfungsangst ist eine Angst vor einer Prüfung, die Angst in DEM entscheidenden Moment zu versagen, der über den Erfolg von jahrelanger (Lern)arbeit entscheidet. Das hat man so nur in Prüfungen &#8211; ich denke nicht, dass ein Anwalt aufgrund eines schlechten Vortrages seine Zulassung verliert.</p>
<p>3. Depressionen</p>
<p>Die haben mit den beiden anderen Themen nun gar nichts gemein. Ein Haufen Leute leidet unter Depressionen und den meisten merkt man es nicht an (zumal es die meisten Betroffenen gar nicht wissen). Ich kenne durchaus Unternehmer die sehr erfolgreich ihren Betrieb führen mit Angestellten, die ihr Einkommen regelmäßig bekommen &#8212; solange sie ihre Medikamente haben. Fehlen die und kommt es zu einem emotionalen Schlag in die falsche Richtung, brechen die zusammen wie ein Kartenhaus. In diesem Falle ist man in gar keinem Beruf arbeitsfähig, egal ob als Pilot, Anwalt oder Herzchirurg. Oder man denke an diesen Bundesligatorwart, der einfach unter seinem Erfolg zerbrochen ist (bzw. an der Erwartungshaltung, die dieser Erfolg mit sich brachte). Kein Mensch in seinem Umfeld hat damit gerechnet, dass ein so erfolgreicher Mensch Depressionen haben kann.</p>
<p>Das befreit o. g. Anwalt natürlich nicht davon, für diesen Fall Vorsorge zu tragen und sich ein Backup zu besorgen. Aber ich denke weder Prüfungsangst noch sonstige Ängste und erst recht Depressionen sind alles keine Gründe, jemandem irgendeinen Beruf zu verwehren (abgesehen von Leistungssportlern vielleicht, die eine Prüfungssituation nach der anderen haben, die jedesmal über Wohl und Wehe der Zukunft entscheiden kann).</p>
<p>Außerdem ist es natürlich richtig: Wer das Spiel erfindet, darf die Regeln definieren, so ist auch das Urteil nicht zu beanstanden. Aber eben nur mit der Begründung, weil die Prüfungsangst des einen oder die Depressionen des anderen über die juristischen Qualitäten nichts aussagen. Beiden ist so nicht nachzuweisen, dass sie schlechte Juristen sind &#8211; vielleicht ist so der deutschen Rechtswissenschaft ein brilliantes Genie entgangen mit dem einzigen Problem: Er kann keine Prüfungen.</p>
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